Weiterarbeiten im Ruhestand?

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Ob man im Ruhestand weiterarbeiten oder ob man die Erwerbsarbeit mit dem Pensionsantritt zu hundert Prozent beenden soll, wird von angehenden RuheständlerInnen ziemlich emotional diskutiert. Da ich selbst in 2 Jahren in Pension gehen werde, denke auch ich gerade viel über diese Frage nach. Mit diesem Artikel lasse ich Dich an meinen ganz persönlichen Gedanken zu dieser Frage teilhaben. Also: Weiterarbeiten im Ruhestand oder die Arbeit voll und ganz beenden? Hier mein Pro und Contra.

Weiterarbeiten im Ruhestand
Weiterarbeiten im Ruhestand - eine emotionale Diskussion!

In zwei Jahren darf ich offiziell in Pension gehen. Nie hätte ich, die ich so leidenschaftlich meiner Arbeit nachgehe, mir gedacht, dass ich mich darauf einmal richtig freue. Ich habe mich immer mein Leben lang arbeitend gesehen. Doch je mehr mein Pensionsantritts näher rückt, desto öfters treibt mich die Frage herum: Soll ich mit dem Pensionsbeginn wirklich jede Erwerbsarbeit beenden? Oder soll ich, in reduzierter Form, weiterarbeiten? 

Sicher, ich bereite seit über 15 Jahren als Trainerin Menschen auf die Pension vor . Man könnte meinen, da müssten diese Fragen doch geklärt sein. Aber da ist nun einmal ein UNterschied, ob man als Trainerin agiert oder ob man plötzlich selbst vor diesen Fragen steht. Ich stelle fest, diese Frage "Weiterarbeiten im Ruhestand" ist für mich ganz schön emotional, sie bewegt mich und ich finde nicht so einfach meine Entscheidung. Der Weg in den Ruhestand ist ein Prozess. Ein Hin und Her, ein Auf und Ab.

In meiner Berufspraxis erlebe ich immer wieder, dass die Frage, ob totaler Ruhestand mit konsequentem Ende jeder Erwerbsarbeit oder ob Weiterarbeiten, voll oder auch nur in Teilzeit - unter den angehenden RuheständlerInnen ganz schön emotional diskutiert wird. Da stehen sich oft zwei Pole gegenüber und das ganz schön konfrontativ. Die, die planen, in der Pension weiterzuarbeiten, meinen, dass jene die ihre Arbeit komplett einstellen, inaktiv sind und ein langweiliges Leben führen werden. Und die, die zu hundert Prozent in den Ruhestand gehen, belächeln oft die Weiterarbeitenden und sagen über sie: Die könnten halt einfach nicht loslassen! In meinen Seminaren fallen dann immer wieder so Sätze wie: Wenn man es nicht schafft, nach 40 und mehr Jahren die Arbeit zu beenden, dann hat man etwas falsch gemacht im Leben. 

Jeder glaubt also, nur er macht es richtig, nur sein Weg ist der richtige Weg. Dabei gibt es für die Lebensphase Rente keine Patentlösung und auch kein richtig oder falsch. Es gibt nur viele, viele individuelle Wege.

Weiterarbeiten in der Rente
Weiterarbeiten in der Pension - Meine Pro und Contra Argumente

Deshalb jetzt zu meinen ganz persönlichen Überlegungen. Soll ich in der Pension weiterarbeiten oder voll und ganz in den Ruhestand gehen. Hier meine persönliche Liste der Pro und Kontra-Argumente.

PRO: Was spricht für das 100%ige Ende meiner Erwerbsarbeit?

Ich kann mir vorstellen, dass bei mir, wenn ich tatsächlich meine bisherige Arbeit beende, schreckliche Langeweile aufkommt und ich dann dadurch ziemlich unruhig sein werde. Es wird mir ganz klar etwas fehlen. Und zwar nicht irgendetwas, sondern etwas, was mich Jahrzehnte beschäftigt und auch erfüllt hat.

Ich kann mir aber auch vorstellen, dass danach, wenn ich diese Unruhe mal überwunden habe, ganz neue Dinge in meinem Leben passieren würden. Vielleicht mache ich mich auf die Suche nach bisher noch nicht gelebten Talenten und Leidenschaften. Vielleicht entwickle ich für diese nächste Lebensphase völlig neue Ideen. Ideen, die erst aus dem Abstand vom Bisherigen entstehen können. Vielleicht werde ich doch noch eine richtige Schriftstellerin oder ich studiere doch noch Kunst oder Film? Vielleicht erfinde ich mich komplett neu, wenn ich das Alte und Bisherige loslasse.

CONTRA: Was spricht gegen das Ende meiner Erwerbsarbeit?

Am meisten dagegen spricht, dass ich jetzt am absoluten Höhepunkt meiner Kompetenz bin. Wenn ich mir vorstelle, wie viele Jahre es gedauert hat, all meine Erfahrungen zu sammeln und mir all das Wissen anzueignen, wenn ich dran denke, wie lange es gedauert hat, mein Unternehmen aufzubauen, meine Bekanntheit als Unternehmerin, dann wäre ein Abbruch meiner bisherigen Erwerbsarbeit eigentlich der totale Wahnsinn und eine komplette Ressourcenverschleuderung. 

Außerdem: Ich brenne ja immer noch voll und ganz für mein berufliches das Thema, das Älterwerden. Es ist ein Glück, eine Arbeit tun zu dürfen, die mich erfüllt!

Weiterarbeiten in der Pension

PRO: Was spricht für mein Weiterarbeiten in der Pension?

Neben meinem unglaublichen Knowhow, meiner Bekanntheit und dem langen Weg dorthin, glaube ich, dass ein Weiterarbeiten grundsätzlich körperlich und geistig fit hält. Arbeit ist mehr als Existenzsicherung. Die Arbeit verbindet mich mit Menschen, sie fordert mich heraus und entwickelt dadurch weiter. Sie lässt mich persönlich wachsen. Und, in heutigen Zeiten wichtig: Sie zwingt mich, an technischen Innovationen dran zu bleiben. Die Künstliche Intelligenz erobert grad die Welt. Wer hätte gedacht, dass ich mich damit noch beschäftigen muss. Und das auch noch sehr gerne!

Arbeit befriedigt mich. Action is satisfaction!

CONTRA: Was spricht gegen mein Weiterarbeiten in der Pension

Ich frage mich, ob das Weiterarbeiten nicht einfach nur ein Verharren im Alten wäre, ein Verharren in sicheren Gefilden quasi. Trotz all der Herausforderungen, die Arbeit mit sich bringt, bleibe ICH dieselbe und mein Leben verändert sich kaum. Immer mehr frage ich mich auch: Was ist am Ende des Leben, in der Nachschau quasi, dann wirklich wichtig? Wenn ich am Sterbebett zurückblicke auf mein Leben, was werde ich dann "ernten". Wo werde ich sagen: Das war richtig gut! Das war großartig? Wird in der Nachschau die Arbeit diesen Stellenwert haben, den ich ihr heute gebe? Oder sind das dann ganz andere Dinge?

Ich würde tatsächlich gerne viel mehr reisen. Keine kurzen Urlaubsreisen zwischen zwei langen Arbeitsphasen, wie jetzt, sondern so richtig eintauchen in andere Orte und Länder. 2, 3 Monate lang. Und zwar am Stück! Zeit zu haben, um langsam und bewusst zu reisen, mit dem Zug, mit dem Wohnmobil. Außerdem: Mein Mann ist 8 Jahre älter. Ich frage mich, wieviel Zeit haben wir noch zusammen und sollte ich, sollten wir, diese verbleibende Zeit nicht eigentlich nützen für uns? Für gemeinsame Kunstprojekte, für gemeinsame Reisen, fürs miteinander sitzen und reden?

Arbeit würde mich jedenfalls weiterhin in die Pflicht nehmen, ich müsste Verantwortung tragen, Termine einhalten, Leistung liefern. Immer wieder frage ich mich: Will ich das noch? Die Arbeit zu beenden, würde dagegen bedeuten, absolut frei zu sein. Ich hätte Zeit für mich, für die Menschen, die ich liebe, für meine Leidenschaften, für meinen Garten. Ich könnte mein Leben radikal verändern, ich könnte etwa ans Meer ziehen, für immer oder auch nur für ½ Jahre ein Strandhaus mieten. Es könnte ALLES geschehen! Mein Leben wäre wieder OFFEN!

Der Übergang in den Ruhestand ist ein Prozess

Tja, du siehst, gar nicht so leicht, sich zu entscheiden! Noch habe ich etwas Zeit. Ich weiß, der Übergang in den Ruhestand ist ein Prozess. Ich bin im Prozess! Meine Entscheidung werde ich, wenn es so weit ist, gut treffen. Da bin ich sehr sicher. Und wahrscheinlich wird die Lösung irgendwo dazwischen liegen. Auch das ist mir klar.

Und was ist mit Dir? 

Welchen Weg wirst Du gehen? Wirst du, auf die eine oder andere Art, weiterarbeiten, wenn du in Rente bist oder wirst du zu 100% in Pension gehen? Ich hoffe jedenfalls, ich konnte mit meinem Blogbeitrag ein paar Gedanken zu Deiner Entscheidungsfindung beitragen.

Service

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