6 Tipps für ein Gespräch mit den Eltern über ihre Pflege

Deine Eltern sind 75, 80 oder älter und immer noch fit, trotzdem machst Du Dir Gedanken darüber, wie das mal werden könnte, wenn sie Betreuung oder Pflege brauchen? Du fragst Dich, welche Vorstellungen Deine Eltern davon haben und ob diese vereinbar sind mit Deinem Leben? Dann steht wohl ein Gespräch 0ber mit Deinen Eltern an! Aber wie? Ich habe 6 Tipps für Dich und das Gespräch mit Deinen Eltern über Pflege.

Mit Eltern über eine mögliche zukünftige Betreuungs- oder Pflegebedürftigkeit zu reden, gehört für Kinder wohl zu den heikelsten Gesprächssituationen im Leben. Als Sohn/ Tochter ist man hin und her gerissen zwischen dem Wunsch nach Klärung und Abgleich der Erwartungen und dem kindlichen Respekt vor den Eltern und ihrer angestammten Rolle als Sorgende. Mit dem anstehenden Gespräch wird erstmals die mögliche Rollenumkehr zwischen Eltern und Kind thematisiert. Eine Rollenumkehr, die für alle Beteiligten schmerzhaft sein wird. Und neu.

Erst kürzlich habe ich in einem Video von einem Coaching erzählt, wo eine Tochter mir berichtete, wie nah ihr das Gespräch ging und wie konfliktreich es war.

Hier deshalb nun meine

6 Tipps für ein Gespräch mit alten Eltern über zukünftige Pflege

Tipp 1: Schau Dir Eure Beziehung an. Was eint Euch? Was trennt Euch?

Kinder bleiben Kinder, wie alt sie auch werden, und Eltern bleiben Eltern. So weit, so bekannt. Aber es geht dabei um mehr, denn auch Eure Beziehung und Beziehungsmuster bleiben. Gab es zwischen Euch immer Liebe und Vertrauen, ist dies eine gute Basis für heikle Gespräche. Hattet ihr aber immer ein konfliktreiches Miteinander, ist die Ausgangsbasis eine weitaus schwierigere. Warst Du in den Augen Deiner Eltern etwa immer das schwarze Schaf der Familie, wirst Du es wahrscheinlich auch heute noch sein. Hast Du Dich von den Eltern oft zu wenig geliebt gefühlt, gehst Du vielleicht mit größerer Verletzlichkeit in dieses schwierige Gespräch. Missverständnisse, heftige Gefühle und auch Streit sind vorprogrammiert.

Dir der Beziehung zu Deinen Eltern bewusst zu werden, ist ein wesentlicher Schritt für die Vorbereitung des Gespräches. Wie sind die emotionalen Voraussetzungen für Euer Gespräch? Ist dieses Gespräch zwischen Euch möglich? Ist es wirklich notwendig, dass DU dieses Gespräch führst oder könnte es auch von einer Schwester/ einem Bruder mit besserer Beziehung zu den Eltern geführt werden? Oder gemeinsam?

Tipp 2: Anerkenne, dass der Gedanke an Pflegebedürftigkeit Angst macht!

Wir Menschen haben bis heute nicht gelernt, über das Altern und unser unvermeidliches Ende zu reden. Außerdem verfügt unsere Psyche über eine Schutzfunktion, die wir kaum kontrollieren können: Die Verdrängung. Was uns unangenehm ist oder Angst macht, was wir kaum ertragen zu denken, wird ausgeblendet.

Pflegebedürftig zu werden, ist eines dieser großen Angst-Themen. Kontrolle über die eigene Autonomie zu verlieren, Hilfestellung zu brauchen bei Dingen, die man ein Leben lang ganz selbstverständlich durchgeführt hat, dabei auch noch Menschen zu belasten und die eigene Rolle als sorgender Vater/ Mutter zu verlieren – das alles kann heftige Emotionen und innere Abwehr auslösen.

alte eltern und pflege

Tipp 3: Nimm emotionale Reaktionen Deiner Eltern nicht persönlich

Ich weiß, das ist einfacher gesagt als getan. Vor allem, wenn Deine Beziehung zu den Eltern immer eher schlecht war, werden im ersten Moment Eure Beziehungsmuster aufpoppen und Emotionen entstehen. Aber auch, wenn Eure Beziehung immer gut war, kann es sein, dass Deine Eltern heftig reagieren oder das Ansprechen des Themas Pflegebedürftigkeit als Übergriff erleben. Versuche ruhig zu bleiben. Die heftigen Reaktionen haben nichts mit dir zu tun. Es ist die Angst. Der Schmerz. Die Hilflosigkeit. Beende ruhig und höflich das Gespräch. Entschuldige Dich vielleicht sogar für den Vorstoß. Damit lässt Du die Türe zum Thema offen. Vielleicht kommen die Eltern nach einiger Zeit selbst auf Dich zu.

Tipp 4: Führe die Gespräche in vielen kleinen Portionen

Gespräche zu heiklen Themen sind nicht nur emotional fordernd, sie sind auch anstrengend und gehen an die Substanz. Taste Dich daher langsam vor, statt mit der Türe ins Haus zu fallen.  Du könntest etwa zuerst von Bekannten erzählen, die eine Pflegesituation in der Familie meistern mussten und dabei beobachten, wie Deine Eltern reagieren. Sind sie offen, hören sie interessiert zu, könntest Du am Ende vorsichtig fragen, wie sie darüber denken? Zeigen sie kein Interesse oder versuchen sie gar, Deine Erzählung zu unterbrechen, wäre ein weiterer Vorstoß von Dir wohl zum Scheitern verurteilt. Es wird wahrscheinlich viele kleine Schritte brauchen, mehrere Anfänge, um das Thema wirklich ergiebig zu behandeln.

Tipp 5: Kläre für Dich, was genau Deine Themen sind

Bevor Du anfängst Deine Eltern auf das Thema Betreuung und Pflege anzusprechen, ist es wichtig mit dir selbst zu klären, worauf Du Antworten suchst. Was geht Dir genau durch den Kopf? Welche Gefühle spürst Du, wenn Du an diese zukünftige Situation denkst? Wie stellst Du Dir die Betreuung/ Pflege Deiner Eltern vor? Welche Hilfestellung kannst Du/ möchtest Du erbringen? Wo wären Deine Grenzen? Was ist das Ziel des Gespräches? Auf welche Fragen genau suchst Du Antworten?

Tipp 6: Sei neugierig auf Deine Eltern. Höre zu, frage nach.

Mütter und Väter, die alt werden, haben zwei große Ängste: 1) Bleibe ich Herr/ Frau meiner selbst, kann ich weiter mein Leben selbst bestimmen oder werde ich bevormundet? 2) Werde ich meinem Kind eine Last werden?

Zwischen diesen beiden Polen gibt es einen Wust an zwiespältigen Gefühlen, an Hin und Her, an Hoffnung und Angst. Dem innigen Wunsch, einem Kind nicht zur Last zu fallen, steht etwa oft die Angst vor dem Pflegeheim gegenüber und so kann ein Spannungsfeld entstehen, das sich in zwiespältigen Aussagen und Erwartungen zeigen kann. Mir erzählen immer wieder Töchter, dass die Mutter einerseits signalisiert, auf keinen Fall von der Tochter gepflegt werden zu wollen, auf der anderen Seite aber wird über die Tochter einer Freundin geschimpft, die die Mutter „ins Heim abgeschoben hat“. Das kann schon sehr irritierend sein für ein Kind!

Du solltest verstehen, dass Deine Eltern ihr Altern und ihre Angst vor Pflegebedürftigkeit verarbeiten müssen. Das ist ein Prozess. Wie so oft im Leben: Reden können, hilft dabei! Dränge daher nicht sofort auf Antworten, sondern sorge für ein Klima des Zuhörens. Sei neugierig auf Deine Eltern. Auch auf ihren Zwiespalt. Frage nach, wenn Deine Mutter ruft „Altwerden ist Scheisse!“ Was genau erlebt sie? Was macht Ihr Probleme? Wie blickt sie in die Zukunft?

Das waren meine 6 Tipps für das Gespräch mit Deinen Eltern über Pflege. Abschließend noch ein Rat: Freue Dich über jeden noch so kleinen Schritt, den Du mit Deinen Eltern zu diesem Thema schaffst. Es braucht viel Mut so ein heikles Thema zu besprechen. Von allen Seiten.

Viel Erfolg wünsche ich Dir und Euch.

SERVICE

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